Beelink Ser 10 Max im Test: Ein Upgrade für KI und Leistung?
Ist der neue Beelink Ser 10 Max mit AMDs Gorgon Point Chip ein Game-Changer? Wir vergleichen ihn mit dem Vorgänger und dem Mac Mini M4 Pro und tauchen tief in Benchmark
Der Markt für Mini-PCs entwickelt sich rasant weiter, und Beelink gehört zu den Herstellern, die regelmäßig mit neuen Modellen aufhorchen lassen. Mit dem Ser 10 Max bringt Beelink einen kompakten Rechner auf den Markt, der auf AMDs neuer "Gorgon Point"-Architektur basiert und sich im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger, dem Ser 9, sowie Apples Mac Mini messen muss. Dieser Test beleuchtet die Leistung, insbesondere im Hinblick auf KI-Anwendungen und anspruchsvolle Workloads.
Die Hardware: Gorgon Point trifft auf bewährte Komponenten
Das Herzstück des Beelink Ser 10 Max ist der neue AMD Ryzen AI 9 HX470 Prozessor, codenamed "Gorgon Point". Dieser Chip setzt auf eine hybride Architektur mit 12 Kernen und 24 Threads, die Zen 5- und Zen 5c-Kerne kombiniert und Taktraten von bis zu 5,2 GHz erreicht. Ein wesentlicher Unterschied zu früheren Generationen ist die integrierte NPU (Neural Processing Unit) mit XDNA 2-Architektur, die speziell für KI-Aufgaben konzipiert ist und laut AMD mit der integrierten GPU (Radeon 890M) und der CPU zusammen bis zu 86 TOPS (Tera Operations Per Second) an KI-Leistung liefern kann.
Im Vergleich dazu nutzte der Vorgänger, der Ser 9, noch die "Strix Point"-Architektur. Interessanterweise teilt sich der Ser 10 Max die integrierte Grafikeinheit, die Radeon 890M, mit dem Ser 9. Die Speicherbestückung ist beim Ser 10 Max flexibler: Während unser Testgerät mit 64 GB DDR5-5600 RAM ausgestattet war, sind auch Konfigurationen mit 32 GB und bis zu 96 GB verfügbar. Dies ist ein deutlicher Vorteil gegenüber dem Ser 9, dessen RAM nicht erweiterbar war. Auch die Speicherkapazität lässt sich mit bis zu 8 TB SSD aufrüsten.
Bei der Konnektivität punktet der Ser 10 Max mit modernen Standards wie USB4, HDMI 2.1 und DisplayPort 1.4, was die Unterstützung von bis zu drei 4K-Monitoren bei 240 Hz ermöglicht. Ein herausragendes Merkmal ist die 10-Gigabit-Ethernet-Schnittstelle, die den 2,5-Gigabit-Anschluss des Ser 9 deutlich übertrifft.
Als Vergleichsmaßstab dient auch der Apple Mac Mini mit M4 und M4 Pro Chips. Hierbei fällt auf, dass Apple für vergleichbare Speicherkonfigurationen (insbesondere bei RAM und SSD) und Features wie 10-Gigabit-Ethernet oft deutlich höhere Preise verlangt, während die RAM-Limits bei Basismodellen (z.B. 24 GB beim M4) für anspruchsvolle Workloads schnell an ihre Grenzen stoßen können.
Benchmark-Analyse: Wo der Ser 10 Max glänzt
Um die Leistung des Ser 10 Max objektiv zu bewerten, wurden verschiedene Benchmarks durchgeführt, die sowohl synthetische Tests als auch praxisnahe Anwendungsfälle abdecken.
Web- und JavaScript-Performance
Im Speedometer 3 Benchmark, der reale Webanwendungsinteraktionen simuliert, erreichte der Ser 10 Max eine solide Leistung. Während Apple-Chips hier traditionell stark sind und die Mac Minis mit M4 und M4 Pro Werte um die 45-48 erzielten, zeigte der Ser 10 Max eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Ser 9 (31,5).
Noch aussagekräftiger sind die Ergebnisse im V8 Web Tooling Benchmark, der die Leistung von JavaScript-Toolchains wie TypeScript, Babel und Terser testet. Hier konnte der Ser 10 Max mit einem TypeScript-Score von 34,14 und einem geometrischen Mittel von 28,62 die Lücke zu den Mac Minis (ca. 35,99 für TypeScript) erheblich schließen. Dies entspricht einer Steigerung von rund 65 % beim TypeScript-Score und über 50 % beim geometrischen Mittel im Vergleich zum Ser 9. Die Leistung liegt nun nur noch wenige Prozentpunkte hinter Apples Spitzenmodellen.
Allgemeine Systemleistung (Geekbench)
Der Geekbench 6 Benchmark, ein gängiges Werkzeug zur Messung der CPU-Leistung, zeigte für den Ser 10 Max einen Single-Core-Score von 2993 und einen Multi-Core-Score von 15216. Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Ser 9 (2889 Single, 14890 Multi) und liegt im Multi-Core-Bereich praktisch gleichauf mit dem M4 Pro Mac Mini (15321).
CPU-intensive Workloads
Bei CPU-intensiven Tests, die alle Kerne maximal auslasten, zeigt sich das Potenzial der neuen Architektur:
- Python-Build-Test: Dieser Test, der einen Python-Algorithmus ausführt und alle Kerne zu 100 % auslastet, wurde vom Ser 10 Max in 28,9 Sekunden abgeschlossen. Dies ist praktisch identisch mit dem Ser 9 (28,64 Sekunden) und schlägt weiterhin den M4-Basis-Mac-Mini (31,41 Sekunden). Der M4 Pro Mac Mini war mit 23,24 Sekunden schneller.
- .NET Build Benchmark: Ein selbst entwickelter Benchmark, der 100.000 Namespaces und Klassen mit rekursiven Berechnungen und verschachtelten Schleifen kompiliert, ist eine harte Nuss für jeden Compiler. Hier erzielte der Ser 10 Max 90,9 Sekunden, was praktisch identisch mit dem Ser 9 (91 Sekunden) ist. Dies zeigt, dass die IPC-Verbesserungen der Zen 5-Architektur in diesem spezifischen, kompilierten Szenario kaum zu einer Generationen-über-Generation-Verbesserung führten. Dennoch schlägt der Ser 10 Max weiterhin den M4-Basis-Mac-Mini (106,7 Sekunden), während der M4 Pro Mac Mini mit 66,4 Sekunden die Nase vorn hat.
- Umbraco CMS Build: Ein realer, IO-lastiger .NET-Build-Test. Hier zeigte sich, dass der Ser 10 Max mit 161 Sekunden sogar etwas langsamer war als der Ser 9 (149 Sekunden) und auf dem Niveau des Ser 8 lag. Dies liegt daran, dass solche realen Builds stark von Festplattenzugriffen und Netzwerkoperationen (NuGet-Pakete) abhängen, wo Apple Silicon traditionell seine Stärken hat. Der M4 Pro Mac Mini war hier mit 84 Sekunden deutlich schneller, und selbst der M4-Basis-Mac-Mini schlug den Beelink mit 93,9 Sekunden.
Ein wichtiger Hinweis: Bei diesem Test wurde festgestellt, dass Windows Defender die Kompilierungszeit erheblich verlängern kann. Nach dem Deaktivieren des Echtzeitschutzes wurden für den Ser 10 Max 161 Sekunden gemessen, was immer noch hinter dem Ser 9 lag.
KI-Leistung: Das Feld der NPU, GPU und des Unified Memory
Der Beelink Ser 10 Max positioniert sich stark im Bereich der lokalen KI-Anwendungen, dank seiner dedizierten NPU und der leistungsfähigen integrierten GPU.
Lokale LLM-Inferenz
Beim Ausführen von Large Language Models (LLMs) mit Ollama auf Windows zeigte sich zunächst, dass standardmäßig nur die CPU genutzt wurde, was zu langsamen Inferenzgeschwindigkeiten führte. Erst durch das Setzen eines Vulcan-Flags konnte die Radeon 890M iGPU aktiviert werden. Dies steigerte die Leistung signifikant:
- Qwen 2.5 7B: Von 14,2 Tokens/Sekunde (CPU) auf 24,5 Tokens/Sekunde (GPU).
- Llama 3 8B: Von 27 Tokens/Sekunde (CPU) auf 37,5 Tokens/Sekunde (GPU).
Die NPU kommt insbesondere bei Aufgaben zum Einsatz, die eine schnelle Vorverarbeitung (Prefill) erfordern, wie z.B. bei langen Kontexten (RAG, Agenten, Coding-Assistenten). In einem Hybrid-Modus, bei dem die NPU die Vorverarbeitung übernimmt und die GPU die Dekodierung, erzielte die NPU mit dem Qwen 7B Modell beeindruckende 631 Tokens/Sekunde für den Prefill-Schritt, was mehr als zweieinhalb Mal so schnell ist wie die reine iGPU-Leistung (240 Tokens/Sekunde). Für Streaming-Chats ist die iGPU die bessere Wahl, für kontextintensive Aufgaben die NPU.
Ein bemerkenswertes Feature ist die Unified Memory Architecture (UMA). Dank dieser Technologie kann die iGPU auf den System-RAM zugreifen, wenn der dedizierte Grafikspeicher nicht ausreicht. So war es möglich, ein 14-Milliarden-Parameter-Modell (Q4-Quantisierung, 8,37 GB) auf der iGPU mit nur 4 GB dediziertem Speicher zu laden. Dies funktionierte, indem die iGPU über 20 GB Arbeitsspeicher nutzte, was die Ausführung deutlich größerer Modelle auf dem Mini-PC ermöglicht, als es die reinen Spezifikationen vermuten lassen.
Vergleich mit dem Ser 9
Für KI-Aufgaben, die primär die iGPU nutzen, ist der Ser 10 Max dank der verbesserten Softwareunterstützung und potenziell optimierter Treiber dem Ser 9 überlegen, obwohl beide die gleiche Radeon 890M GPU verbaut haben. Der entscheidende Vorteil des Ser 10 Max liegt hier in der dedizierten NPU und der Möglichkeit, größere Modelle dank UMA und erweiterbarem RAM auszuführen.
Fazit und Kaufempfehlung
Der Beelink Ser 10 Max ist ein beeindruckendes Upgrade und ein starker Konkurrent im Mini-PC-Segment.
Kaufen Sie den Beelink Ser 10 Max, wenn:
- Sie die NPU für KI-Aufgaben (insbesondere mit langen Kontexten oder RAG) nutzen möchten.
- Sie erweiterbaren RAM benötigen, um anspruchsvolle Anwendungen oder größere KI-Modelle auszuführen.
- Die 10-Gigabit-Ethernet-Schnittstelle für Ihr Netzwerk essenziell ist.
- Sie eine signifikante Leistungssteigerung gegenüber älteren Beelink-Modellen oder Basis-Mac-Minis suchen, insbesondere bei Web- und Tooling-Benchmarks.
Überspringen Sie den Ser 10 Max, wenn:
- Sie bereits einen Beelink Ser 9 besitzen und Ihr Hauptanwendungsfall die LLM-Inferenz über die iGPU ist. In diesem Fall ist die Hardware identisch, und Software-Updates könnten ähnliche Ergebnisse liefern. Sparen Sie Ihr Geld für die nächste Generation (Codename "Medusa", erwartet 2027).
- Ihr Budget stark begrenzt ist und ein Basis-Mac-Mini für Ihre Bedürfnisse ausreicht, auch wenn dieser bei bestimmten Workloads und Konnektivität Nachteile hat.
Der Ser 10 Max bietet eine überzeugende Kombination aus moderner AMD-Architektur, flexibler Hardware und zukunftsorientierten KI-Funktionen zu einem wettbewerbsfähigen Preis, insbesondere im Vergleich zu Apples Angeboten. Er positioniert sich als leistungsfähige und vielseitige Option für Power-User, Entwickler und KI-Enthusiasten.
Einleitung und Vergleichsübersicht
Der Ser 10 Max wird als Nachfolger des Ser 9 vorgestellt und gegen den Mac Mini M4 Pro antreten, wobei der neue AMD-Chip im Mittelpunkt steht.
- Vorstellung des Beelink Ser 10 Max mit neuem AMD Gorgon Point Chip (Ryzen AI 9 HX470).
- Vergleich mit dem Vorgänger Beelink Ser 9 und dem Apple Mac Mini M4 Pro.
- Fokus auf Leistungstests, insbesondere für Entwickler und KI-Workloads.
- Diskussion des Preis-Leistungs-Verhältnisses im Vergleich zu Apple-Produkten.
Hardware-Spezifikationen und Design
Der Ser 10 Max bietet einen leistungsstarken neuen AMD-Prozessor, aufrüstbaren RAM und Speicher sowie verbesserte Konnektivität wie 10-Gigabit-Ethernet.
- Beelink Ser 10 Max mit Ryzen AI 9 HX470 (Gorgon Point).
- 12 Kerne, 24 Threads, Zen 5 Architektur, bis zu 5.2 GHz Boost.
- Integrierte Radeon 890M iGPU (identisch mit Ser 9).
- Verfügbar mit 32 GB oder 64 GB DDR5 5600 RAM (aufrüstbar).
- Speicher bis zu 8 TB aufrüstbar.
- Anschlüsse: USB4, HDMI 2.1, DisplayPort 1.4, 10-Gigabit-Ethernet.
- Optionale Version mit OpenClaw vorinstalliert.
JavaScript- und Web-Tooling-Benchmarks
In JavaScript- und Web-Tooling-Benchmarks zeigt der Ser 10 Max eine massive Leistungssteigerung gegenüber dem Ser 9 und schließt die Lücke zu den Apple Mac Minis.
- Speedometer 3 (JavaScript): Ser 10 Max erreicht fast die Leistung des M4 Pro, übertrifft den Ser 9 deutlich (65% Sprung).
- Web Tooling Benchmark (V8): Ser 10 Max kommt den Macs sehr nahe, übertrifft Ser 9 um über 50% im Geometric Mean.
Geekbench und Python-Tests
Geekbench zeigt eine starke Multi-Core-Leistung, während der Python-Test die Grenzen der Generationenverbesserung aufzeigt, aber immer noch besser als der M4 Base ist.
- Geekbench: Ser 10 Max erreicht ähnliche Multi-Core-Werte wie der M4 Pro, deutlicher Sprung gegenüber Ser 9.
- Python-Benchmark (CPU-intensiv): Ser 10 Max ist praktisch gleichauf mit Ser 9, beide schlagen den M4 Base, aber der M4 Pro ist schneller.
Kompilierungs- und Build-Tests
Kompilierungstests zeigen gemischte Ergebnisse: Während einige Tests extrem schnell sind, zeigen andere, dass der Ser 10 Max bei IO-lastigen Aufgaben hinter dem M4 Pro zurückbleibt und die Generationenverbesserung begrenzt ist.
- NX Mono Repo Build: Ser 10 Max ist extrem schnell (unter 3 Sek.), aber der Test ist aufgrund von Drift nicht mehr vergleichbar.
- .NET Build Benchmark: Ser 10 Max ist praktisch identisch mit Ser 9 (1/10 Sek. Unterschied), schlägt M4 Base, liegt aber hinter M4 Pro.
- Umbraco CMS Build: Ser 10 Max ist langsamer als Ser 9 und Ser 8 (IO-lastig), M4 Pro und M4 Base sind deutlich schneller.
KI-Leistung: CPU, GPU und NPU
Der Ser 10 Max bietet dank NPU und GPU mit UMA beeindruckende KI-Fähigkeiten, die durch Software-Optimierung (Vulkan-Flag, Hybrid-Modi) voll ausgeschöpft werden können, was das Laden großer Modelle ermöglicht.
- Der Ser 10 Max verfügt über CPU, GPU (Radeon 890M) und NPU (XDNA 2, 55 TOPS).
- Standardmäßig nutzt Windows Ollama nur die CPU für LLMs.
- Aktivierung der GPU (via Vulkan-Flag) verbessert die Token-Rate erheblich.
- Die NPU ist für den "Prefill"-Teil von LLMs optimiert und bietet in Hybrid-Modi (mit GPU-Decode) die höchste Leistung (z.B. 2,5x schneller als iGPU bei Quen 7B).
- UMA ermöglicht das Laden großer Modelle (z.B. 14B Parameter) auf die 4GB iGPU durch Nutzung von System-RAM.
Empfehlungen und Fazit
Der Ser 10 Max ist ein starkes Upgrade für KI-Enthusiasten und Nutzer, die erweiterte Konnektivität benötigen, während Besitzer eines Ser 9 mit iGPU-Fokus abwarten könnten.
- Kaufempfehlung für Ser 10 Max: Wenn NPU für RAG/Long-Context-KI wichtig ist, aufrüstbarer RAM benötigt wird oder 10-Gigabit-Ethernet gewünscht ist.
- Überspringen, wenn bereits Ser 9 vorhanden ist und der Fokus auf iGPU LLM-Pfad liegt.
- Hardware des Ser 9 ist für KI-Aufgaben mit der iGPU immer noch gut, Software-Updates sind entscheidend.
- Nächste Generation (Medusa) wird 2027 erwartet.
